Roboter als Lösung für den Pflegenotstand?

Noch befindet sich die Entwicklung von Robotern, die in Pflegehaushalten und Heimen eingesetzt werden können, in den Kinderschuhen. Aber das wird sich ändern. Die Vorstellung, dass in 20 oder 30 Jahren Roboter  serienmäßig für Routinearbeiten in der Pflege eingesetzt werden,  24-Stunden-täglich, an 365 Tagen im Jahr, erscheint keineswegs utopisch.

Wie die Pflegezukunft aussehen kann, wenn wir die sich anbahnende Entwicklung technischer Lösungen für menschliche Probleme unreflektiert geschehen lassen, lesen Sie in dem 2011 verfassten Beitrag von Adelheid von Stösser:   Roboter als Lösung für den Pflegenotstand? Ethische Fragen   Erschienen im „ARCHIV für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit, 3/2011: Neue Technologien im Gesundheits- und Pflegebereich. Herausgeber: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V.

Im Oktober 2013 erschien in der Zeitschrift  medizin & technik unter dem Titel:  Technik braucht ethische Grenzen,  ein Interview mit Adelheid von Stösser

Im Dezember 2017, veröffentlichte die Zeitschrift Altenpflege, in der Rubrik  Pro und Contra,  folgenden Beitrag :

Pflege-Roboter als Ersatz für fehlendes Pflegepersonal?
Contra: Adelheid von Stösser

Sie würde sich lieber von einem Roboter waschen lassen als von einem Menschen, der nicht in Beziehung tritt, erklärte mir eine Heimleiterin.  Sie habe bei Krankenhausaufenthalten erlebt, wie unangenehm es ist, wenn jeden Morgen jemand anderes kommt und „sein Waschprogramm abspult“. Die Vorstellung, von einer Maschine gewaschen zu werden, erscheint ihr angenehmer, als von einem Menschen unpersönlich abgefertigt zu werden.
Ist nicht genau das der springende Punkt?  Haben wir nicht längst eine Situation, in der von Pflegekräften erwartet wird, wie Roboter zu funktionieren, die kein Mitgefühl zeigen (können), weil es sie daran hindern würde mit ihrer Arbeit zeitig fertig zu werden?  Von einem Roboter erwartet man kein Verständnis. Hingegen wird eine unpersönliche Abfertigung durch  leibhaftige Pfleger/innen, als Entwertung der eigenen Person erlebt. Das ist  würdelos und im wahrsten Sinne des Wortes unmenschlich.  Hier sehe ich sogar die Hauptursache für den Pflegenotstand.  Dafür, dass viele, vor allem empathische Pflegekräfte aussteigen, während sich Ökonomisierung und Entmenschlichung der Pflege fortsetzen.  Wer dieser Entwicklung entgegentreten will, ist herzlich eingeladen, sich unserer Initiative für menschliche Pflege anzuschließen.